Amazon KDP ist für Autoren, Publisher und Online-Unternehmer eine einfache Möglichkeit, Bücher selbst zu veröffentlichen und über Amazon zu vertreiben.
Dabei können sowohl eBooks als auch gedruckte Bücher angeboten werden. Gerade bei Taschenbüchern und gebundenen Ausgaben stellt sich deshalb schnell die Frage:
Verkauft der Publisher selbst Bücher und betreibt damit Einzelhandel – oder funktioniert das Geschäftsmodell anders?
Für die steuerliche Einordnung in Spanien lohnt sich ein genauerer Blick.
Was ist Amazon KDP?
KDP steht für Kindle Direct Publishing und ist die Self-Publishing-Plattform von Amazon.
Über KDP können unter anderem verschiedene Buchformate veröffentlicht werden:
- Kindle eBooks
- Taschenbücher
- gebundene Ausgaben
Während ein eBook ausschließlich digital bereitgestellt wird, werden Taschenbücher und gebundene Ausgaben physisch hergestellt.
Das Besondere: Die gedruckten Bücher müssen nicht vorproduziert oder gelagert werden. Amazon beschreibt selbst, dass KDP Bücher auf Anfrage („on demand“) druckt. Die Druckkosten werden anschließend bei der Berechnung der Tantiemen berücksichtigt.
Damit enthält KDP bei gedruckten Büchern zugleich Elemente des Print-on-Demand-Modells.
eBook oder gedrucktes Buch – macht das steuerlich einen Unterschied?
Auf den ersten Blick könnte man meinen:
eBook = digitale Tätigkeit, gedrucktes Buch = Warenhandel.
So einfach ist die Abgrenzung jedoch nicht.
Ein Autor kann dasselbe Werk beispielsweise als Kindle eBook, Taschenbuch und Hardcover veröffentlichen. Für die steuerliche Beurteilung sollte daher nicht allein darauf geschaut werden, ob der Kunde am Ende eine digitale Datei oder ein physisches Buch erhält.
Entscheidend ist vielmehr, wie das KDP-Geschäftsmodell vertraglich ausgestaltet ist und welche Rolle der Publisher und Amazon jeweils übernehmen.
Wie funktioniert das Geschäftsmodell bei Amazon KDP?
Der Publisher stellt Amazon sein Buch zur Verfügung und räumt Amazon die für den Vertrieb erforderlichen Rechte ein.
Die KDP-Vereinbarung sieht dabei ausdrücklich Rechte zum On-Demand-Druck und Vertrieb der Bücher vor. Dazu gehören unter anderem die Vervielfältigung, Vermarktung, der Vertrieb, Verkauf und die Lizenzierung der über KDP bereitgestellten Bücher.
Auch beim Verkauf an den Kunden übernimmt Amazon wesentliche Aufgaben. Nach den KDP-Bedingungen kann Amazon den Endkundenpreis festlegen und ist für Zahlungsabwicklung, Zahlungseinzug, Erstattungen und den damit verbundenen Kundenservice verantwortlich.
Der Publisher erhält für die entsprechenden Verkäufe eine Tantieme (Royalty).
Damit unterscheidet sich KDP deutlich von einem klassischen Buchhändler, der Bücher einkauft, lagert und anschließend selbst an seine Kunden verkauft.
Verkauft der Publisher seine Bücher selbst?
Genau hier liegt eine wichtige Abgrenzung.
Nur weil ein Taschenbuch oder Hardcover mit dem Namen des Publishers über Amazon verkauft wird, bedeutet dies nicht automatisch, dass der Publisher selbst klassischen Einzelhandel mit Büchern betreibt.
Die KDP-Vertragsbedingungen unterscheiden vielmehr zwischen den Buchverkäufen durch Amazon an Kunden und den daraus resultierenden Zahlungen von Amazon an den Publisher. Amazon ist nach der Vereinbarung für die Steuern auf seine jeweiligen Buchverkäufe an Kunden verantwortlich; der Publisher wiederum für die Steuern, die sich aus den Zahlungen von Amazon an ihn ergeben.
Diese Unterscheidung ist für die steuerliche Einordnung des Geschäftsmodells von besonderer Bedeutung.
Autónomo ja – aber auch Einzelhandel?
Auch bei KDP sollten zwei Fragen getrennt betrachtet werden:
Liegt eine selbständige wirtschaftliche Tätigkeit vor?
und
Welche Art von selbständiger Tätigkeit wird ausgeübt?
Wer KDP dauerhaft als eigenes Geschäftsmodell von Spanien aus betreibt und damit Einnahmen erzielt, übt grundsätzlich eine selbständige wirtschaftliche Tätigkeit aus.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Tätigkeit als Einzelhandel einzuordnen ist.
Gerade bei gedruckten KDP-Büchern sollte deshalb nicht allein aufgrund des physischen Produkts auf klassischen Warenhandel geschlossen werden. Entscheidend sind vielmehr die tatsächlichen Vertrags- und Leistungsbeziehungen zwischen Publisher, Amazon und Endkunde.
Diese Abgrenzung ist in Spanien relevant, da beim klassischen Einzelhandel zusätzliche steuerliche und administrative Besonderheiten – beispielsweise der Recargo de Equivalencia – eine Rolle spielen können.
Wie erhält der Publisher seine Einnahmen?
Amazon bezeichnet die Einnahmen des Publishers als Tantiemen bzw. Royalties. Je nach Buchformat gelten unterschiedliche Berechnungsmodelle.
Für bestimmte EU-Publisher bietet Amazon zudem ein Self-Billing-Verfahren an, bei dem Amazon Rechnungen im Namen des Publishers erstellt. Für die Buchhaltung in Spanien sind dabei besondere Anforderungen an die Rechnungsstellung und Dokumentation zu beachten.
Mehr dazu: Self-Billing in Spanien: Darf der Kunde meine Rechnung ausstellen?
Fazit: Ein gedrucktes Buch bedeutet nicht automatisch Einzelhandel
Amazon KDP zeigt besonders deutlich, warum bei Online-Geschäftsmodellen nicht allein auf das Endprodukt geschaut werden sollte.
Ein Publisher kann dasselbe Werk als eBook, Taschenbuch oder Hardcover anbieten. Bei gedruckten Büchern übernimmt KDP zusätzlich den On-Demand-Druck, während der Publisher Tantiemen für die entsprechenden Verkäufe erhält.
Dass beim Kunden am Ende ein physisches Buch ankommt, bedeutet daher nicht automatisch, dass der Publisher selbst klassischen Einzelhandel mit Büchern betreibt.
Für die steuerliche Einordnung in Spanien ist vielmehr entscheidend, welche Tätigkeit der Publisher tatsächlich ausübt, welche Rechte Amazon eingeräumt werden und wie Verkauf und Vergütung vertraglich ausgestaltet sind.
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Autor:
Lisa Wörfel
Steuerberaterin
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